Krebs durch Schweißrauch?

Gepostet auf27.03.2020 von

Kann Krebs durch Schweißrauch entstehen? Das wissen wir tatsächlich!

Täglich kommen weltweit mehrere Millionen Menschen mit Schweißrauch in Kontakt. Heute wird nicht mehr darüber diskutiert, dass die gefährlichen Substanzen im Schweißrauch gesundheitsschädlich sind und einige sogar krebserregend. Doch erst 2017 bestätigte die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) diesen Befund offiziell. Seitdem haben Experten weiterhin an der Erforschung der gesundheitlichen Folgen von Schweißrauch gearbeitet. Ein Blick auf frühere Studien und den aktuellen Stand der Forschung.

Laut Schätzungen der IARC wurden 2017 weltweit etwa 11 Millionen Menschen als professionelle Schweißer betrachtet. Weitere 110 Millionen Beschäftigte waren regelmäßig den Emissionen aus dem Schweißen ausgesetzt. Dazu gehören Rauch, Gase, ultraviolette Strahlung und elektromagnetische Felder. Der Rauch entsteht hauptsächlich beim Lichtbogenschweißen mit Lichtbogentemperaturen von über 15.000 °C. Die Folge: Die Bestandteile, insbesondere die des Füllmaterials, verdampfen und kondensieren zu kleinen Partikeln, die ohne spezielle Schutzmaßnahmen von den Beschäftigten eingeatmet werden können.

Eine von der IARC einberufene Expertengruppe bewertete alle wissenschaftlichen Studien, die im März 2017 veröffentlicht wurden, und konnte diesmal nachweisen: Schweißrauch ist für den Menschen krebserregend, unabhängig vom verwendeten Verfahren oder der Art des geschweißten Metalls. Nur das Ausmaß ist für jede Methode unterschiedlich. Fünf Jahre zuvor hatte die Agentur die intensive UV-Strahlung, die beim Lichtbogenschweißen entsteht, als krebserregend eingestuft. Diese Einstufung bestätigten die Forscher auch 2017 und zeigten, dass die Strahlung Augentumore verursacht.

Das Krebsrisiko durch Schweißrauch war vor 50 Jahren völlig unbekannt.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass die krebserregende Wirkung dieser gefährlichen Substanzen den Schweißern völlig unbekannt war. In den 1970er Jahren war die allgemeine Gesundheitsgefährdung durch Schweißrauch noch unbekannt, teilweise wurde sie sogar als gesund angesehen. 1989 stufte die IARC, eine Agentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Schweißrauch als 'potenziell krebserregend' ein. Zu diesem Zeitpunkt waren die Daten aus den Forschungen nicht ausreichend, um eine verlässliche Grundlage für die Einstufung von Schweißrauch als tatsächlich krebserregend zu bieten.

In den Jahren nach dieser Einstufung folgten weitere Studien, die wichtige Erkenntnisse über gefährliche krebserregende Substanzen lieferten. Eine der bedeutendsten Studien ist die Arbeit des Projekts SYNERGY, die 2013 im IPA Journal veröffentlicht wurde. Die Forscher untersuchten das Lungenkrebsrisiko für Schweißer und Personen in Berufen mit gelegentlichen Schweißaktivitäten. Die Forschung wurde unter anderem von der IARC koordiniert. Die Forscher untersuchten insgesamt 33.871 Männer, darunter 15.483 Fälle von Lungenkrebs und 18.388 Kontrollpersonen. Im Vergleich zu früheren Studien wurden auch ihr Rauchverhalten, die Dauer der Tätigkeit und die Schweißverfahren berücksichtigt.

Erhöhtes Lungenkrebsrisiko bei Schweißern festgestellt

Das Ergebnis: Die Forscher fanden ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko für Vollzeitschweißer sowie für Personen, die gelegentlich schweißten. Das Risiko stieg in beiden Gruppen mit zunehmender Beschäftigungsdauer, war jedoch für Gelegenheits-Schweißer geringer. Die Forscher beobachteten auch ein erhöhtes Krebsrisiko bei Nichtrauchern. Darüber hinaus wurden Branchen in die Bewertung einbezogen.

So haben Schweißer in der Schiffbau-, Bau-, Maschinenbau- und Transportgeräte-Reparaturindustrie ein höheres Lungenkrebsrisiko als Schweißer in der Fahrzeugherstellung. In letzterer Branche werden zunehmend Automatisierungs- und Schweißroboter eingesetzt. In dieser Studie konnten jedoch keine Hinweise auf einzelne krebserregende gefährliche Substanzen im Schweißrauch identifiziert werden. Faktoren wie das Schweißverfahren, die Zusammensetzung des Rauchs und das Expositionsniveau konnten ebenfalls nicht berücksichtigt werden.

Verschiedene gefährliche Substanzen im Schweißrauch.

Um das gesamte Ausmaß der Gesundheitsrisiken durch Schweißrauch zu verstehen, ist es wichtig zu wissen, dass die während des Schweißens erzeugten gefährlichen Substanzen unterschiedliche Wirkungen auf den Menschen haben. Die Substanzen bestehen aus einer Reihe von Komponenten: Grund- und Zusatzmaterialien, inerte Gase, Beschichtungen, Verunreinigungen und Umgebungsluft. Die Experten unterscheiden zwischen lungenschädlichen, giftigen und krebserregenden Substanzen.

Krebserregende Substanzen im Schweißrauch können nicht nur bösartige Tumore im Körper verursachen, sondern oft auch eine toxische Wirkung haben. Allerdings beeinflussen auch andere Faktoren wie genetische Faktoren und Umweltverschmutzung das Krebsrisiko.

Krebsrisiko, insbesondere bei Edelmetallen.

Krebserregende Substanzen umfassen beispielsweise Verbindungen von Chrom VI und Nickeloxid. Im Jahr 2018 veröffentlichte das IPA Journal die Ergebnisse seiner Zusammenarbeit mit dem Institut für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). Gemeinsam bewerteten sie die gemessenen Daten zu den Emissionen am Arbeitsplatz. Der Fokus lag hier auf Schweißrauch, der Verbindungen von Chrom VI, Nickeloxid und Mangan enthält.

Die Forscher fanden heraus: Der Schweißprozess und die verwendeten Füllmaterialien haben einen entscheidenden Einfluss auf die Exposition. Insbesondere bei emissionsintensiven Verfahren wie dem aktiven Gasschweißen mit Metall (MAG) und dem Metall-Inertgas-Schweißen (MIG) von niedriglegiertem Stahl waren die Schweißer im Vergleich zu gefährlichen krebserregenden Substanzen im Schweißrauch und Mangan im Vergleich zum Wolfram-Inertgas-Schweißen (TIG) höheren Expositionen ausgesetzt.

Die krebserregende Wirkung von Schweißrauch ist noch nicht vollständig erforscht.

Seit den 1970er Jahren haben mehrere wissenschaftliche Studien die krebserregende Wirkung bestimmter gefährlicher Substanzen im Schweißrauch untersucht und schließlich 2017 eindeutig nachgewiesen. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir heute alles darüber wissen. Es bedarf weiterer Forschung, um mehr Informationen über die komplexen Dosis-Wirkungs-Beziehungen zu erhalten. Ziel ist es, die Gesundheitsrisiken für Schweißer in Zukunft genauer bewerten und die Arbeitssicherheit noch effektiver interpretieren zu können. In jedem Fall ist eine effektive Absaugung erforderlich, um die Beschäftigten vor Schweißrauch zu schützen, und dafür sind leistungsstarke und zuverlässige Absaugsysteme notwendig.

Quelle: KEMPER

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